Man sollte sich bewusst sein, dass ein hohes Maß an Eigeninitiative verlangt wird!

Nach dem Abschluss seines Studiums zum Diplom-Ingenieur im Fach allgemeiner Maschinenbau, mit der Vertiefung Konstruktion, entschied sich Lukas Joos für das berufsintegrierte Masterstudium an der SIBE. In Kooperation mit der Mercedes-AMG GmbH schloss er das Studium im September 2019 erfolgreich als Master of Science ab. Im Verlauf der Studienzeit war Lukas Joos als Kurs- und Gesamtstudierendensprecher engagiert.

Lieber Herr Joos, in welchem Unternehmen sind Sie jetzt, nach Abschluss Ihres Studiums, tätig? Was sind Ihre Aufgaben und was ist Ihr wichtigstes Projekt derzeit?

Seit dem 01.05.2020 bin ich als Cost Engineer beim Automobilzulieferer Eberspächer in Esslingen angestellt. In dieser Tätigkeit sehe ich die perfekte Kombination meiner zwei akademischen Laufbahnen.

Mein Aufgabengebiet umfasst eine Vielfalt an Themen. Zum einen bin ich bei der strategischen Produktentwicklung involviert. Ich analysiere die bestmögliche Kombination von hochqualitativen Produkteigenschaften und den damit verbundenen Kosten. Dazu zählt auch die Bewertung von geeigneten Fertigungsverfahren und Werkstoffen, um die Produktlandschaft optimieren zu können und den künftigen Trends in der Automobilbranche gewachsen zu sein. Darüber hinaus unterstütze ich den Einkauf und den Vertrieb bei der Preisbildung und der Preis-Argumentation zu Kunden und Lieferanten.

Aktuell arbeite ich an einem Projekt für einen großen, international tätigen Original Equipment Manufacturer (OEM) im Nutzfahrzeugbereich.

Was haben Sie im Erststudium studiert? Warum haben Sie sich nach Ihrem Erststudium für ein Masterstudium an der SIBE entschieden?

Im Erststudium habe ich allgemeinen Maschinenbau in Dresden studiert. In  der Vertiefungsrichtung „Konstruktion“ habe ich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft meinen Diplom-Ingenieur abgeschlossen.

Für das SIBE-Studium habe ich mich anschließend aus mehreren Gründen entschieden. Hauptsächlich wollte ich nach dem Erststudium Berufserfahrung generieren und mich gleichzeitig akademisch weiterbilden. Ich hatte an diesem Punkt einen stark technisch geprägten Hintergrund, aber schon immer großes Interesse an finanziellen Aspekten von Projekten. Letztlich überzeugt hat mich an der SIBE das projektbasierte Studienkonzept, mit der Möglichkeit, theoretisch erlerntes Wissen direkt in die Praxis zu transferieren und in einem spezifischen Projekt umzusetzen.

Was haben Sie in den zwei Jahren bei Ihrem Unternehmen gemacht? Inwiefern hat Sie dies weitergebracht?

Während des Studiums an der SIBE, war ich bei der Mercedes-AMG GmbH angestellt. Dort war ich in der Position als Teilprojektleiter Controlling im Aggregate-Bereich tätig. In dieser Funktion war ich für die Projektplanung, -steuerung und -kosten der 8- und 12-Zylinder Motorenfamilie zuständig. Darüber hinaus habe ich das Änderungsmanagement betreut und strategische Entwicklungsvorkalkulationen erstellt und validiert. Ich diesem Rahmen habe ich finanztechnische Analysen durchgeführt, um zu erörtern, wie teuer ein Motor für das Unternehmen zum Zeitpunkt des Produktionsstarts sein wird.

Mein Studienprojekt war ebenfalls im Bereich der Vorkalkulationen angesiedelt. Dabei habe ich ein neuartiges Konzept zur Implementierung eines modularisierten Bewertungsmodells in Bezug auf die strategische Entwicklungskostenoptimierung entwickelt. Das Ziel dabei war es, das manuelle State-of-the-Art Bewertungsverfahren der Vorkalkulationen mittels abgeleiteter Standardgeschäftsfälle modellgestützt abzubilden. Dabei sollte vor allem der strategische Aspekt Einzug finden, um durch die Vermeidung von unrentablen Projekten einen unternehmerischen Benefit herauszustellen. Darüber hinaus kann durch die hohe Flexibilität und Aussagefähigkeit des Modells der bisherige Bewertungsprozess größtenteils abgelöst und weitere Kapazitätseinsparungen erzielt werden. Das Projekt wurde durch die AMG als sehr vielversprechend bewertet, weswegen nach meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen ein Nachfolger eingestellt wurde, der die Weiterführung des Modells betreut.

Was mich in diesen zwei Berufsjahren vor allem weitergebracht hat, war das Thema Social Behavior in Unternehmen. Bereits im Erststudium konnte ich Berufserfahrung durch Praktika, Werkstudententätigkeiten und die Diplomarbeit sammeln, aber vertiefende Einblicke in das Projekt-Business waren mir bis dato noch verwehrt. Dank der zügigen Integration bei der AMG hat sich dies schnell geändert. Die für die unternehmerische Zusammenarbeit relevanten Fähigkeiten, die ich durch die interdisziplinäre Projektarbeit erlernen konnte, haben mich sehr geprägt und werden mir bei der Bewältigung meiner zukünftigen Herausforderungen sehr weiterhelfen.

Inwiefern profitieren Sie nach wie vor von Ihrem Experience Based Curriculum? Und wem würden Sie ein solches Studium besonders empfehlen?

Ich profitiere hauptsächlich durch die zahlreichen erlernten Methoden, mit denen ich wissenschaftlich an wirtschaftliche Probleme herangehen kann. Das Studienkonzept als solches war für mich sehr vorteilhaft, da die Anwendung der im Seminar erlernte Theorien, umgehend in Gruppenarbeiten unter uns Kommilitonen praktiziert und diskutiert wurde. Anhand der Anregungen und Erfahrungen unserer Dozenten war es mir möglich, zahlreiche Methoden direkt in mein Projekt zu transferieren. Das ist aus meiner Sicht heute extrem wertvoll. Beispielsweise hat wahrscheinlich jeder Managementstudierende die Theorie der SWOT-Analyse erlernt und kann Vorteile und Schwachstellen der Methode aufzeigen, die tatsächlich Anwendung der Methode in der Praxis ist jedoch ein ganz anderes paar Schuhe.

Ich empfehle das Studium an der SIBE jedem, der sich gerne individuell und Eigengetrieben mit tief gehenden Problemstellungen aus der Wirtschaft befasst. Es gibt viele Studierende, die gerne klare Linien und den Lösungsweg von A nach B detailliert vorgegeben bekommen wollen. Das geht bei der SIBE nicht, weil in den Seminaren Personen verschiedenster Fachdisziplinen, aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen und mit den unterschiedlichsten Projekten sitzen. Da kann nicht einfach das eine, richtige Muster übergestülpt werden.

Das kann man sowohl negativ, als auch positiv sehen. Ich persönlich habe mich in diesem Studienmodell sehr frei in der Auswahl meiner akademischen Herangehensweise gefühlt. Ich musste mich intensiv mit Lösungsstrategien und passenden Methoden zur Anwendung auf mein Unternehmensprojekt befassen und konnte dadurch viel lernen. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Dozenten bei Fragen immer gerne zur Verfügung stehen.

Man sollte sich aber bewusst sein, dass ein hohes Maß an Eigeninitiative verlangt wird und man sich selbst mit den Themen auseinandersetzen muss, anstatt standardisierte Arbeitspakete vorgesetzt zu bekommen. Meiner Meinung nach sollten sich künftige Studierende des SIBE-Masterstudienganges vor allem über diese Herausforderung im Klaren sein.

Zusätzlich zu Personen mit einem ausgeprägten Maß an Eigeninitiative würde ich das Studium jedem empfehlen, der/die motiviert und belastbar ist und sich über seinen/ihren Horizont hinaus weiterbilden möchte. Der Fachhintergrund ist da meiner Meinung nach eher zweitrangig. Aus meiner persönlichen Perspektive kann ich das SIBE-Studium auch Technikern nahelegen, um sich praxisbezogen wirtschaftliche Fachkenntnisse anzueignen.

Wie wichtig war und ist Ihr berufliches Netzwerk für Sie? Besteht Ihr Kontakt zur Hochschule oder einzelnen Kommilitonen noch?

Generell bewerte ich ein großes (berufliches) Netzwerk als sehr wichtig. Für mich hat sich als besonders zielführend herausgestellt, ein Netzwerk über die Abteilungsgrenzen hinaus zu erschließen. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass die Netzwerkpflege anstrengend und zeitintensiv sein kann.

Innerhalb unseres Kurses haben wir ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Wir haben viele Aktivitäten außerhalb der Seminare  unternommen, weshalb ich auch heute noch einen guten Kontakt zu meinen Kommilitonen pflege. Neben Besuchen auf dem Cannstatter Wasen und einem gemeinsamen Schottland-Trip haben wir uns zu zahlreichen Aktivitäten außerhalb des studentischen Umfeldes getroffen und werden dies auch künftig so weiterführen. Zur SIBE habe ich noch einige, wenige Überschneidungspunkte, die sich hauptsächlich aus meiner Rolle als Kurssprecher und Gesamtstudierendenvertreter ergeben.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der SIBE zurückdenken?

Besonders im Kopf geblieben ist mir die erste Seminarwoche in Berlin. Wir haben es so organisiert, dass alle im gleichen Hotel untergekommen sind und wir dadurch sehr gut gemeinsame Aktivitäten koordinieren konnten. Man konnte richtig merken, dass der Kurs näher zueinandergefunden und sich ein echtes Kursleben aufgebaut hat. Durch diese Erfahrungen konnten wir ein sehr gefestigtes Sozialleben etablieren und haben uns dadurch deutlich besser kennengelernt, was prägend für die darauffolgenden zwei Studienjahre war.

Natürlich war auch die Zeit der Auslandsstudie in Brasilien ein absolutes Highlight. So viel Zeit mit den Kommilitonen „auf engem Raum“ zu verbringen schweißt zusammen und hat zumindest bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

In den Seminaren selbst sind mir die Diskussionen und Gruppenarbeiten stark im Gedächtnis geblieben. Es war unglaublich spannend, die diversen Meinungsbilder und unterschiedlichen Mindsets der Kommilitonen in Hinblick auf fachliche Herausforderungen kennenzulernen.

Gibt es etwas, das Sie den heutigen SIBE-Studierenden noch mit auf den Weg geben möchten?

Das finde ich eine sehr schwierige Frage, weil im Studium einfach so viele unterschiedliche Personen zu finden sind. Ich glaube, was ich allen im ersten oder zweiten Semester an der SIBE mitgeben möchte ist: Schiebt keine Hausarbeiten! Haltet euch am besten an den Studienplan, denn es wird zum Ende hin nicht weniger arbeitsintensiv.

Außerdem habe ich in meinem Studium die Erfahrung gemacht, dass man die studentischen Probleme am besten direkt zu den  Verantwortlichen der SIBE tragen sollte. Scheut euch nicht davor, den Kontakt aufzunehmen, ihr werdet immer ein offenes Ohr finden. Geht direkt auf das Problem zu, statt ihm aus dem Weg und nehmt die Erfahrung der Ansprechpartner wahr.

Abschließend möchte ich noch betonen, dass die Übernahme eines Ehrenamtes, wie zum Beispiel das Amt des Kurssprechers, sehr zur persönlichen Entwicklung beitragen kann. Ich selbst habe diese Erfahrung sehr positiv in Erinnerung und würde das Amt jederzeit wieder übernehmen.

Name
Lukas Joos
Projektgebendes Unternehmen während des Studiums
Mercedes-AMG GmbH
Erststudium
Allgemeiner Maschinenbau, Vertiefung: Konstruktion
SIBE-Programm
M.Sc. in International Management
Kurs & Abschlussjahr
SMM174-2020
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